Das Aussterben der österreichischen VoIP-Anbieter

Als langjähriger, zufriedener Kunde beim österreichischen VoIP (SIP) Anbieter Mitacs/PlatinPlus überraschte mich dessen Insolvenz (siehe Edikte.at Eintrag vom 26.02.2014) ohne Vorwarnung – mittlerweile ist deren Infrastruktur abgeschaltet, meine Festnetz- und Faxnummer somit nicht mehr erreichbar.

Meine von PlatinPlus bislang erfüllte Wunschliste war:

  • Ein SIP-Trunk mit österreichischer Festnetz-Rufnummer (wiener Vorwahl)
  • gleichzeitiger Betrieb mit Asterisk, SIP-fähiger Hardware (IP-Telefon) und SoftPhone-Client für Android
  • Eine Fax-Inbox mit österreichischer Festnetzrufnummer.
  • Keine Grundgebühr
  • Faire Gesprächsgebühren
  • Bezahlung Postpaid per Lastschrift

Ein kurzer Rundumblick nach Alternativen sieht leider düster aus:

  • sipgate.at – Hat den Betrieb für Österreich per 31.12.2013 eingestellt.
  • yesss.at – Hat den Betrieb seines VoIP Produktes WebPhone per 31.07.2013 eingestellt.
  • sil.at (SilverServer) wurde zwischenzeitlich von Tele2 geschluckt
  • Hostprofis.at wollte mich – nachdem ich einige Jahre einen grundgebühr-freien Tarif genutzt habe – im Februar 2013 auf einen teureren Tarif mit Grundgebühr und Inklusiv-Volumen umstellen, hat somit auch nichts passendes mehr für mich im Angebot.
  • sipcall.at meinte mich im Dezember 2013 einfach “abdrehen” zu müssen, weil ich meinen Account nicht regelmäßig genug genutzt habe. Ich hatte sogar noch ein geringes Restguthaben (PrePaid-Produkt) welches nun verfallen ist.
  • Die auf enum.at gelisteten Anbieter sind großteils nicht mehr existent bzw. offerieren auf deren Webpräsenzen keine interessanten Informationen/Angebote mehr zu VoIP Produkten.
  • Unter den im IP-Phone-Forum gelisteten Anbietern findet sich meiner Recherche zufolge kein Anbieter mehr, der meinen Anforderungen ausreichend nahe kommt.

 

Lediglich für kostenlosen Fax-Empfang mit wiener Rufnummer konnte ich eine empfehlenswerte Alternative ausmachen: faxit.at. Einziges Manko: Damit die Rufnummer reserviert/funktionstüchtig bleibt, muss diese von Zeit zu Zeit auch tatsächlich genutzt werden – in Zeiten in denen das FAX zunehmend ausstirbt gar keine Selbstverständlichkeit mehr. Um dies zu umgehen kann man sich jedoch z.B. mittels des kostenlosen Fax-Versand-Dienstleisters MiniFax.de periodisch selbst ein kostenfreies Fax zusenden.

 

Nachträge:

  • talk2u.at – zero.net Tarif: Die 0720er Rufnummer ist auch als Wiener Rufnummer 01-2291xxxx erreichbar, monatlicher Paketpreis entfällt bei Zahlung mittels Einziehungsauftrag, jedoch 9,90 Aktivierungsgebühr.
  • fairytel.at – kein Aktivierungsentgelt, Rufnummer ist auch als Wiener Rufnummer 01/3050720xxxxxx erreichbar, jedoch monatliche Grundgebühr 1€
  • virtual-call.at – Im Grundgebühr-freien Home-Tarif ist keine Rufnummer inklusive
  • multikom.at – unklar ob Geschäftsbetrieb eingestellt wurde, in Foren findet man mehrere Hinweise, dass Anmeldungen offenbar nicht (mehr) bearbeitet werden.
  • Übersicht über zahlreiche aus österreich nutzbare Anbieter, Stand März 2014: http://www.mobilfunkrechner.de/akwien/pdf/voip.pdf

 

You May Also Like

9 Comments

  1. Ich sehe, dass der Artikel schon etwas älter ist, aber die ersten beiden Lösungen nutze ich auch schon länger.

    Für einfache und billige Outbound-Calls kann einer der luxemburgischen Betamax-Ableger von Dellmont genutzt werden. voipyo z.B.

    Über Faxit bin ich auch einmal gespolpert.

    Überzeugt hat mich letztlich dic.at. Dort bekommt man die Fax-Lösung und drei Klappen als Sip-Accounts ebenso wie den SIP oder Asterisk-Trunk. Ich nutze allerdings nur die Klappen und das Fax.

    Sipcall.at bietet österreichische Nummern.

    Die einzig österreichische Lösung ist aber dic.at – und ja, die Marktentwicklung ist besorgniserregend.

  2. Lieber Gunnar,
    du scheinst dich mit dem österreichischem VoIP Markt auzukennen, daher wundert mich, dass du von der Pleite von Mitacs überrascht wurdest. Das war eine ESS Geschichte und die sind meistens zum Scheitern verurteilt. Aber in Kärnten ticken die Uhren eben anders. @Erich: nette Werbung für dic.at, nur würde ich nie bei einer KG so etwas wichtiges wie Telefonie buchen. Schon garnicht mit so einer Homepage. Aber wenn man den Anspruch hat keine Grundgebühr zu zahlen nimmt man wahrscheinlich so einiges in Kauf. Und VoIP Anbieter mit Grundgebühr gibt es genug, wem es nicht passt muss bei Skype und Viper bleiben.
    LG ein VoIP Anbieter mit Grundgebühr 🙁

  3. Lieber Herr Haslinger,

    der Artikel ist zwar schon einige Jahre alt, aber dennoch möchte ich Ihnen diesbezüglich kurz schreiben, da ich mich
    derzeit mit dem Thema VOIP bzw. dem Umstieg von ISDN auf VOIP beschäftige.

    Wieso ist Österreich Ihrer Meinung VOIP-technisch so schlecht aufgestellt/weshalb gibt es so wenige Betreiber?
    Meiner Meinung nach ist VOIP die Zukunft der Festnetz-Telefonie, da diese Technologie viel leichter wartbar ist und man neben der
    Internet-Infrastruktur, die man ohnehin benötigt, keine weitere (ISDN-Infrastruktur) betreiben muss.

    Mich würde Ihre Meinung interessieren. Vielen Dank und schöne Grüße.
    Marco

  4. Hallo Marco,
    Danke für das Interesse. Ja, der Artikel ist tatsächlich schon etwas älter, wenngleich mein Resumé auch heute wie damals ausfällt.

    Die Gründe für die Situation in Österreich sehe ich wie folgt:

    1. Festnetzanschlüsse sind bei Privatkunden nicht mehr gefragt, egal ob POTS, ISDN oder VoIP – danach fragt fast niemand mehr.
    2. Mobiltelefon-Nutzung ist in Österreich so günstig wie in fast keinem anderen EU-Staat, um 10 Euro pro Monat bekommt man bei mehren Anbietern ein zufriedenstellendes Wohlfühl-Paket das Sprache, SMS und Daten abdeckt.
    3. Die EU hat uns auch günstiges Telefonieren und Datennutzung im EU-Ausland beschert
    4. Wer regelmäßig seine Tante in Australien kontaktieren möchte tut das einfach per Skype oder Whatsapp – ganz ohne technische Vorkenntnisse
    5. Die Regelung der österreichischen RTR die vorschreibt, dass für nicht an einen festen Standort gebundene VoIP-Anschlüsse nur standortunabhängige 0720-Rufnummern vergeben werden dürfen, gepaart mit der Handhabung diverser Relekom-Anbieter diese 0720-Rufnummern nicht als reguläre Festnetz-Rufnummer zu vergebühren.

    Fazit: Es gibt einfach keinen privaten Bedarf für VoIP in Österreich, und wo kein Bedarf ist entsteht auch kein attraktives Privatkunden-Angebot. Denn profitabel betreiben wird ein solches Angebot mangels Nachfrage eher kein Anbieter, das lohnt sich nur wenn man es der Masse anbieten kann – und diesen Bedarfsträger-/Kundenkreis gibt es eben nicht (mehr).

    In Deutschland sieht die Situation nicht ganz so triest aus. Dort gibt es einen 10x so großen potentiellen Kunden-Kreis, die private Mobiltelefonie ist nicht so preiswert wie in Österreich und die Regeln hinsichtlich der Nutzung von regulären Festnetz-Vorwahlen für VoIP-Anschlüsse sind liberal.

    1. Hallo Gunnar,

      ich denke Du hast es absolut auf den Punkt getroffen. Ich würde gerne dazufügen, dass es auch im Geschäftskundenbereich in Österreich bzgl. VoIP sehr mau aussieht. Fast alle großen VoIP Wholesaler verkaufen für Österreich nur die undankbaren 720-Rufnummern. Mit ihren Verordnungen zu SIP hat die RTR die Wirtschaft in Österreich nachhaltig geschädigt. Die Folgen sind u.A. dass deutsche Unternehmen für ihre Service Center keine lokalen österreichischen Rufnummern anbieten können, da sie vor Ort solch große Blöcke nicht bekommen und auch nicht an ihre weltweit-ausgelegten Sprachsysteme anschließen können. Das bedeutet für viele Verbraucher in Österreich, dass sie im grenzüberschreitenden Geschäft häufig internationale Rufnummern wählen müssen. Hier geht der Republik Österreich auch Einiges and Steuereinnahmen verloren.

      Es ist mir absolut schleierhaft, wieso den lokalen Rufnummern eine so extreme Bedeutung zugemessen wurde, dass es lukrativ erschien den gesamten VoIP-Markt in Österreich quasi zu beerdigen. Der globale VoIP-Markt mit $8,2 Mrd (Infonetics Research für 2019) wächst weiter. Gerade Festnetz- und Mobilfunkflatrates bedeuten immer höhere Anrufvolumina für Unternehmen und weitere Modernisierung der Service-Infrastrukturen. Es gibt kein Land, welches nicht großflächig VoIP-Services (insbes. über Wholesale) anbietet. Einzig Österreich hat sich entschieden da nicht mitmachen zu wollen (Wegen Reichtum geschlossen?).

      Im Geschäftskundenbereich sieht es also genauso mau aus wie im Privatkundenbereich. Einfach einen 200er-Block Linzer Nummern bestellen geht nicht mal so eben… In den Nachbarländern aber kein Problem.

      Viele Grüße,

      Jan

  5. Hallo!

    Vielen Dank für Ihre Antwort. 🙂
    Dass man für den privaten Gebrauch heutzutage fast nie mehr ein Festnetz benötigt, ist klar.
    Aber irgendwie mangelt es auch an Angeboten für Unternehmen, bei denen Festnetztelefone ja doch noch sehr stark vertreten sind.

    Abgesehen von den großen Providern konnte ich eigentlich nur Innosoft und Hostprofis als (zumindest laut Homepage) vernünftig wirkende VOIP-Anbieter finden.
    A1 hat einem Bekannten für seine Firma vor Kurzem übrigens direkt ISDN angeboten, anstatt mal über VOIP zu sprechen – obwohl das ja die Zukunft sein soll.
    Was ist Ihre Meinung zur den beiden oben genannten Firmen bzw. deren VOIP-Produkten?

    Liebe Grüße
    Marco

      • Ohne zu wissen, was unter “Angeboten für Unternehmen” zu verstehen ist, fällt eine Antwort schwer. Ich habe mit keinem der genannten Unternehmen (Hostprofis, Innosoft) praktische Erfahrung, aber immerhin haben diese bis heute überlebt – und auch das ist ja schon eine Leistung. Was ist denn der Bedarf? Einen SIP-Trunk um eine eigene PBX zu betreiben? Oder nur ein SIP-Account um ein einzelnes Endgerät anzuschließen? Oder eine “virtuelle PBX” die beim Anbieter gehostet wird und mehrere Nebenstellen angebunden werden?
      • Als Unternehmen hat man eventuell Interesse, dass einem die Rufnummer tatsächlich “gehört” und man sie auch weg-portieren kann. Immerhin möchte man bei einem Anbieter-Wechsel (und der kann auch vom Anbieter z.B. durch Insolvenz verschuldet werden) eventuell nicht seine Rufnummer aufgeben bzw. wechseln müssen.
      • Mir fallen ad-hoc zu den bereits genannten noch folgende Provider ein, die ich kontaktieren würde:
        • https://www.selfnet.at/ – ich weiß, die Website ist unbrauchbar, aber der Anbieter schon seit gefühlt 20 Jahre am Markt und in vielen Foren sehr aktiv gewesen, hier werden Sie “vom Chef persönlich” betreut. Angebote muss man erfragen.
        • https://www.sipnal.at/ – keine persönlichen Erfahrungen (außer mit der kostenlosen FaxBox von https://www.faxit.at/ die technisch von SIPnal bereitgestellt wird.
      • Meinen persönlichen VoIP-Bedarf (Fokus hierbei ist “Frei von Grundgebühr / laufenden Kosten”) decke ich mit:
        • https://www.freevoipdeal.com/ für ausgehende Gespräche, eigene (konfigurierbare) Absender-Rufnummer kann signalisiert werden. Sehr günstige Tarife auch ins österreichische Fest- und Mobilfunknetz
        • https://www.faxit.at/ als kostenfreie, eingehende FAX-Box mit Wiener Rufnummer
        • https://www.sipcall.at/ für eingehende Gespräche mit 0720er Rufnummer, wobei es für Neukunden offenbar den Tarif ohne Grundgebühr derzeit scheinbar nicht mehr gibt.
  6. Guten Abend!

    Am interessantesten sind die gehosteten Lösungen.
    Das Problem mit der Rufnummernmitnahme bzw. der Gefahr bei einer Insolvenz ist wohl der größte Nachteil bei den kleineren Unternehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.